Bildquellen korrekt zitieren: Anleitung, Beispiele und wichtige Regeln
Bilder, Grafiken, Diagramme und Abbildungen müssen in wissenschaftlichen Arbeiten nachvollziehbar gekennzeichnet werden. Wir erklären, welche Angaben zu einer Bildquelle gehören, wie sich Quellenangabe und Nutzungsrecht unterscheiden und worauf Sie bei APA, Harvard, Creative Commons und Internetquellen achten sollten.
Bilder können eine wissenschaftliche Arbeit erheblich aufwerten: Sie veranschaulichen Zusammenhänge, präsentieren Daten oder machen komplexe Sachverhalte leichter verständlich. Sobald eine Abbildung jedoch aus einer fremden Quelle übernommen wird, stellen sich zwei unterschiedliche Fragen: Wie muss die Bildquelle wissenschaftlich angegeben werden – und darf das Bild überhaupt verwendet werden?
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Eine vollständige Quellenangabe macht die Herkunft einer Abbildung nachvollziehbar. Sie ersetzt aber nicht automatisch eine erforderliche Nutzungserlaubnis. Umgekehrt bedeutet eine vorhandene Nutzungserlaubnis nicht zwangsläufig, dass eine wissenschaftliche Quellenangabe entfallen kann.
Warum müssen Bildquellen korrekt angegeben werden?
In wissenschaftlichen Arbeiten muss nachvollziehbar sein, welche Inhalte vom Verfasser selbst stammen und welche von anderen Personen oder Quellen übernommen wurden. Dieses Grundprinzip gilt nicht nur für Textzitate, sondern ebenso für Abbildungen, Fotografien, Diagramme, Karten und andere visuelle Materialien.
Nachvollziehbarkeit
Eine Bildquelle ermöglicht es Leserinnen und Lesern, die Herkunft einer Abbildung nachzuvollziehen. Besonders bei Diagrammen oder wissenschaftlichen Grafiken ist dies wichtig, weil die ursprüngliche Quelle zusätzliche Informationen zu Daten, Methode und Kontext enthalten kann.
Anerkennung fremder Urheberschaft
Auch visuelle Werke können urheberrechtlich geschützt sein. Nach § 13 UrhG hat ein Urheber das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft und kann bestimmen, ob und mit welcher Bezeichnung das Werk versehen wird.
Sauberes wissenschaftliches Arbeiten
Eine nachvollziehbare Kennzeichnung trennt eigene Inhalte von übernommenem Material. Dadurch wird deutlich, auf welchen Quellen eine wissenschaftliche Arbeit basiert.
Bildquelle und Nutzungsrecht sind nicht dasselbe
Einer der wichtigsten Punkte beim Umgang mit Bildern wird häufig übersehen: Eine Quellenangabe beantwortet zunächst die Frage, woher ein Bild stammt. Das Nutzungsrecht beantwortet dagegen die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Sie dieses Bild verwenden dürfen.
| Frage | Bildquelle | Nutzungsrecht |
|---|---|---|
| Worum geht es? | Nachweis der Herkunft | Berechtigung zur Nutzung |
| Typische Angaben | Urheber, Titel, Jahr, Quelle | Lizenz, Erlaubnis oder gesetzliche Grundlage |
| Reicht eine URL? | Häufig nicht | Nein, eine URL begründet keine Erlaubnis |
| Ist beides relevant? | Bei fremdem Bildmaterial sollte beides geprüft werden. | |
Ein Bild, das über eine Suchmaschine gefunden wurde, darf deshalb nicht allein deswegen verwendet werden, weil die ursprüngliche Webseite genannt wird. Suchmaschinen sind außerdem grundsätzlich nicht die eigentliche Quelle des Bildes. Entscheidend ist die Originalquelle und die dort geltende Nutzungssituation.
Welche Angaben gehören zu einer Bildquelle?
Die konkrete Gestaltung hängt vom verwendeten Zitierstil und den Vorgaben Ihrer Hochschule ab. Typischerweise können folgende Informationen relevant sein:
- Name des Urhebers bzw. der Urheberin
- Titel oder Beschreibung der Abbildung
- Entstehungs- oder Veröffentlichungsjahr, sofern vorhanden
- Art des Materials, wenn der Zitierstil dies verlangt
- Publikation, Institution oder Website
- URL bei einer Onlinequelle
- Abrufdatum, wenn es nach dem verwendeten Stil verlangt wird
- Lizenzangabe bei entsprechend lizenziertem Material
Urheber – Jahr – Titel/Beschreibung – Quelle – URL – ggf. Lizenz
Nicht jedes Element ist in jedem Zitierstil zwingend erforderlich. Die formale Gestaltung sollte deshalb immer mit dem Leitfaden der eigenen Hochschule oder des verwendeten Zitierstils abgeglichen werden.
Wie gibt man eine Bildquelle unter einer Abbildung an?
In wissenschaftlichen Arbeiten wird eine Abbildung häufig nummeriert und mit einer Abbildungsbezeichnung versehen. Direkt bei der Abbildung kann ein kurzer Quellenhinweis stehen; die vollständige Quellenangabe wird – abhängig von den Hochschulvorgaben – zusätzlich im Literatur- oder Quellenverzeichnis aufgeführt.
Abbildung 3: Entwicklung der Beispielwerte
Quelle: Müller (2025, S. 42).
Handelt es sich um eine selbst erstellte Grafik, kann eine Kennzeichnung wie „Eigene Darstellung“ sinnvoll sein. Wurde die eigene Grafik jedoch auf Basis fremder Daten oder einer fremden Darstellung erstellt, sollte auch diese Grundlage genannt werden.
Abbildung 4: Entwicklung der Beispielwerte
Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage von Müller (2025, S. 42).
Bildquelle aus dem Internet richtig angeben
Bei Bildern aus dem Internet besteht ein häufiger Fehler darin, lediglich die URL unter die Abbildung zu setzen. Damit fehlen unter Umständen wesentliche Informationen zur Urheberschaft, zum Titel und zur Veröffentlichung.
Versuchen Sie deshalb zunächst, die Originalquelle zu ermitteln. Prüfen Sie dort, wer das Bild erstellt oder veröffentlicht hat, welche Bezeichnung verwendet wird und ob Informationen zu einer Lizenz vorhanden sind.
Müller, A. (2025): Titel der Abbildung [Abbildung]. Name der Website. URL
Dieses Beispiel zeigt lediglich die benötigten Informationsarten. Zeichensetzung, Reihenfolge, Kursivsetzung und Abrufdatum richten sich nach dem tatsächlich verwendeten Zitierstil.
Bildquellen nach APA, Harvard und anderen Zitierstilen
Es gibt nicht eine einzige Form, mit der sämtliche Bilder in jeder wissenschaftlichen Arbeit zitiert werden. Der verwendete Zitierstil bestimmt, wie die bibliografischen Informationen angeordnet und formatiert werden.
APA
Bei APA hängt die konkrete Darstellung unter anderem davon ab, welche Art von Bild verwendet wird und wo dieses veröffentlicht wurde. Zusätzlich zur Quellenangabe können bei reproduzierten oder adaptierten Abbildungen urheberrechtliche Angaben relevant sein. Deshalb sollte die jeweils aktuelle APA-Vorgabe und vor allem der Leitfaden der eigenen Hochschule geprüft werden.
Harvard
„Harvard“ bezeichnet eine Familie von Autor-Jahr-Systemen und keinen weltweit einheitlichen Standard. Hochschulen können daher unterschiedliche Harvard-Varianten verwenden. Typisch ist ein Kurzbeleg mit Autor und Jahr sowie eine vollständige Angabe im Literaturverzeichnis.
MLA und Chicago
Auch MLA und Chicago verfügen über eigene Konventionen für visuelle Quellen. Welche Angaben benötigt werden, hängt unter anderem davon ab, ob es sich um ein Originalwerk, eine Reproduktion in einem Buch oder ein online veröffentlichtes Bild handelt.
Creative Commons: Bilder mit Lizenz richtig kennzeichnen
Creative-Commons-Lizenzen ermöglichen es Urhebern, anderen Personen bestimmte Nutzungen ihrer Werke unter festgelegten Bedingungen zu erlauben. Dabei ist entscheidend, welche konkrete CC-Lizenz für das jeweilige Bild gilt.
Creative Commons empfiehlt für die Attribution das sogenannte TASL-Prinzip:
| Kürzel | Bedeutung | Angabe |
|---|---|---|
| T | Title | Titel des Werks, soweit vorhanden |
| A | Author | Name des Urhebers bzw. Rechteinhabers |
| S | Source | Link zur ursprünglichen Quelle |
| L | License | Bezeichnung und Link zur CC-Lizenz |
„Titel des Bildes“ von Max Mustermann, Quelle: Beispielseite, lizenziert unter CC BY 4.0.
Bei Veränderungen oder Bearbeitungen können weitere Angaben erforderlich sein. Außerdem unterscheiden sich die verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen beispielsweise darin, ob Bearbeitungen oder bestimmte Arten der Nutzung gestattet sind.
Müssen eigene Bilder zitiert werden?
Wenn Sie eine Abbildung vollständig selbst erstellt haben und dabei keine fremden Daten oder Darstellungen übernommen wurden, existiert keine fremde Quelle, die zitiert werden müsste. Je nach Hochschulvorgabe kann eine Kennzeichnung als „Eigene Darstellung“ oder „Eigene Aufnahme“ sinnvoll sein.
Anders sieht es aus, wenn Sie zwar die Grafik selbst erstellt, dafür aber Daten, Konzepte oder eine vorhandene Abbildung als Grundlage verwendet haben. Dann sollte die verwendete Grundlage nachvollziehbar angegeben werden.
Auch ein selbst aufgenommenes Foto kann zusätzliche rechtliche Fragen aufwerfen – beispielsweise wenn darauf geschützte Werke oder Personen zu sehen sind. Die Frage, wer das Foto aufgenommen hat, beantwortet also nicht automatisch sämtliche Fragen zur möglichen Veröffentlichung.
Bildquelle und Abbildungsverzeichnis
Das Abbildungsverzeichnis und die Quellenangabe erfüllen unterschiedliche Funktionen. Ein Abbildungsverzeichnis hilft dabei, die verwendeten Abbildungen innerhalb einer längeren Arbeit schnell zu finden. Es ersetzt jedoch nicht automatisch die erforderlichen Quellennachweise.
Typischerweise enthält ein Abbildungsverzeichnis die Nummer einer Abbildung, ihre Bezeichnung und die entsprechende Seitenzahl. Wie Quellen dort oder direkt unter den Abbildungen dargestellt werden sollen, richtet sich nach den Vorgaben Ihrer Hochschule.
Abbildung 1: Aufbau des Untersuchungsmodells ........ 12
Abbildung 2: Entwicklung der Stichprobe ............. 27
Abbildung 3: Ergebnisse der Befragung ............... 41
7 häufige Fehler beim Zitieren von Bildern
1. Nur Google als Quelle nennen
Eine Bildersuche ist nicht die ursprüngliche Quelle. Ermitteln Sie nach Möglichkeit die Website oder Publikation, auf der das Bild tatsächlich veröffentlicht wurde.
2. Nur die URL angeben
Eine URL allein enthält häufig nicht alle Informationen, die für einen nachvollziehbaren wissenschaftlichen Nachweis benötigt werden.
3. Quellenangabe mit Nutzungserlaubnis verwechseln
Die Angabe eines Urhebers macht eine ansonsten unzulässige Nutzung nicht automatisch zulässig.
4. Lizenzbedingungen nicht prüfen
Bei lizenziertem Material sollte die konkrete Lizenz geprüft werden. Das gilt insbesondere, wenn eine Abbildung verändert oder in einem anderen Kontext weiterverwendet wird.
5. Eigene Bearbeitungen nicht kennzeichnen
Wenn eine fremde Abbildung verändert oder auf ihrer Grundlage eine neue Darstellung erstellt wurde, sollte nachvollziehbar sein, worauf die neue Version basiert.
6. Abbildungsverzeichnis mit Quellenverzeichnis verwechseln
Dass eine Abbildung im Abbildungsverzeichnis auftaucht, bedeutet nicht automatisch, dass ihre Herkunft vollständig nachgewiesen ist.
7. Hochschulvorgaben ignorieren
Allgemeine Zitierbeispiele sind hilfreich, ersetzen aber keine verbindlichen Vorgaben Ihres Fachbereichs, Lehrstuhls oder Prüfungsamts.
Checkliste: Bildquellen vor der Abgabe prüfen
- Ist erkennbar, welche Abbildungen von Ihnen und welche aus fremden Quellen stammen?
- Ist die ursprüngliche Quelle des Bildes bekannt?
- Ist der Urheber angegeben, soweit erforderlich und verfügbar?
- Sind Titel, Jahr und Publikationsort bzw. Website korrekt erfasst?
- Ist die verwendete Zitierweise einheitlich?
- Wurde die konkrete Lizenz oder Nutzungserlaubnis geprüft?
- Sind Bearbeitungen fremder Abbildungen gekennzeichnet?
- Sind eigene Darstellungen auf Basis fremder Daten entsprechend ausgewiesen?
- Stimmen Abbildungsnummern und Abbildungsverzeichnis überein?
- Entspricht die Darstellung dem Zitierleitfaden Ihrer Hochschule?
Häufige Fragen zu Bildquellen
Wie gibt man eine Bildquelle richtig an?
Reicht es, die URL unter ein Bild zu schreiben?
Darf ich jedes Bild verwenden, wenn ich die Quelle angebe?
Wie zitiere ich ein Bild aus dem Internet?
Muss ich eigene Abbildungen zitieren?
Was bedeutet „Eigene Darstellung nach ...“?
Müssen Creative-Commons-Bilder zitiert werden?
Fazit: Erst Quelle und Nutzungsrecht prüfen, dann zitieren
Eine korrekte Bildquelle erfüllt mehr als eine formale Funktion. Sie macht sichtbar, woher eine Abbildung stammt, würdigt fremde Urheberschaft und ermöglicht es Leserinnen und Lesern, die Originalquelle nachzuvollziehen.
Dabei sollten wissenschaftliche Zitation und rechtliche Nutzung nicht miteinander verwechselt werden. Ein vollständiger Quellennachweis bedeutet nicht automatisch, dass ein Bild ohne weitere Voraussetzungen verwendet werden darf.
Für wissenschaftliche Arbeiten ist deshalb ein zweistufiges Vorgehen sinnvoll: Prüfen Sie zunächst Herkunft und Nutzungsbedingungen des Bildes. Anschließend formatieren Sie den Quellennachweis nach dem Zitierstil und den Vorgaben Ihrer Hochschule.
Wer diese Schritte konsequent einhält und zusätzlich Abbildungsnummern sowie das Abbildungsverzeichnis kontrolliert, schafft eine nachvollziehbare und einheitliche Grundlage für den Umgang mit visuellen Quellen.
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