Wissenschaftliches Arbeiten

Bildquellen korrekt zitieren: Anleitung, Beispiele und wichtige Regeln

Bilder, Grafiken, Diagramme und Abbildungen müssen in wissenschaftlichen Arbeiten nachvollziehbar gekennzeichnet werden. Wir erklären, welche Angaben zu einer Bildquelle gehören, wie sich Quellenangabe und Nutzungsrecht unterscheiden und worauf Sie bei APA, Harvard, Creative Commons und Internetquellen achten sollten.

Veröffentlicht am 14.05.2025 Aktualisiert am 16.09.2026 Lesezeit: ca. 11 Minuten KIM Redaktion

Bilder können eine wissenschaftliche Arbeit erheblich aufwerten: Sie veranschaulichen Zusammenhänge, präsentieren Daten oder machen komplexe Sachverhalte leichter verständlich. Sobald eine Abbildung jedoch aus einer fremden Quelle übernommen wird, stellen sich zwei unterschiedliche Fragen: Wie muss die Bildquelle wissenschaftlich angegeben werden – und darf das Bild überhaupt verwendet werden?

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Eine vollständige Quellenangabe macht die Herkunft einer Abbildung nachvollziehbar. Sie ersetzt aber nicht automatisch eine erforderliche Nutzungserlaubnis. Umgekehrt bedeutet eine vorhandene Nutzungserlaubnis nicht zwangsläufig, dass eine wissenschaftliche Quellenangabe entfallen kann.

Das Wichtigste in einem Satz Prüfen Sie bei fremden Abbildungen immer sowohl die wissenschaftliche Zitation als auch die rechtlichen Nutzungsbedingungen.

Warum müssen Bildquellen korrekt angegeben werden?

In wissenschaftlichen Arbeiten muss nachvollziehbar sein, welche Inhalte vom Verfasser selbst stammen und welche von anderen Personen oder Quellen übernommen wurden. Dieses Grundprinzip gilt nicht nur für Textzitate, sondern ebenso für Abbildungen, Fotografien, Diagramme, Karten und andere visuelle Materialien.

Nachvollziehbarkeit

Eine Bildquelle ermöglicht es Leserinnen und Lesern, die Herkunft einer Abbildung nachzuvollziehen. Besonders bei Diagrammen oder wissenschaftlichen Grafiken ist dies wichtig, weil die ursprüngliche Quelle zusätzliche Informationen zu Daten, Methode und Kontext enthalten kann.

Anerkennung fremder Urheberschaft

Auch visuelle Werke können urheberrechtlich geschützt sein. Nach § 13 UrhG hat ein Urheber das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft und kann bestimmen, ob und mit welcher Bezeichnung das Werk versehen wird.

Sauberes wissenschaftliches Arbeiten

Eine nachvollziehbare Kennzeichnung trennt eigene Inhalte von übernommenem Material. Dadurch wird deutlich, auf welchen Quellen eine wissenschaftliche Arbeit basiert.

Bildquelle und Nutzungsrecht sind nicht dasselbe

Einer der wichtigsten Punkte beim Umgang mit Bildern wird häufig übersehen: Eine Quellenangabe beantwortet zunächst die Frage, woher ein Bild stammt. Das Nutzungsrecht beantwortet dagegen die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Sie dieses Bild verwenden dürfen.

Frage Bildquelle Nutzungsrecht
Worum geht es? Nachweis der Herkunft Berechtigung zur Nutzung
Typische Angaben Urheber, Titel, Jahr, Quelle Lizenz, Erlaubnis oder gesetzliche Grundlage
Reicht eine URL? Häufig nicht Nein, eine URL begründet keine Erlaubnis
Ist beides relevant? Bei fremdem Bildmaterial sollte beides geprüft werden.

Ein Bild, das über eine Suchmaschine gefunden wurde, darf deshalb nicht allein deswegen verwendet werden, weil die ursprüngliche Webseite genannt wird. Suchmaschinen sind außerdem grundsätzlich nicht die eigentliche Quelle des Bildes. Entscheidend ist die Originalquelle und die dort geltende Nutzungssituation.

Welche Angaben gehören zu einer Bildquelle?

Die konkrete Gestaltung hängt vom verwendeten Zitierstil und den Vorgaben Ihrer Hochschule ab. Typischerweise können folgende Informationen relevant sein:

  • Name des Urhebers bzw. der Urheberin
  • Titel oder Beschreibung der Abbildung
  • Entstehungs- oder Veröffentlichungsjahr, sofern vorhanden
  • Art des Materials, wenn der Zitierstil dies verlangt
  • Publikation, Institution oder Website
  • URL bei einer Onlinequelle
  • Abrufdatum, wenn es nach dem verwendeten Stil verlangt wird
  • Lizenzangabe bei entsprechend lizenziertem Material
Grundschema

Urheber – Jahr – Titel/Beschreibung – Quelle – URL – ggf. Lizenz

Nicht jedes Element ist in jedem Zitierstil zwingend erforderlich. Die formale Gestaltung sollte deshalb immer mit dem Leitfaden der eigenen Hochschule oder des verwendeten Zitierstils abgeglichen werden.

Wie gibt man eine Bildquelle unter einer Abbildung an?

In wissenschaftlichen Arbeiten wird eine Abbildung häufig nummeriert und mit einer Abbildungsbezeichnung versehen. Direkt bei der Abbildung kann ein kurzer Quellenhinweis stehen; die vollständige Quellenangabe wird – abhängig von den Hochschulvorgaben – zusätzlich im Literatur- oder Quellenverzeichnis aufgeführt.

Beispiel für eine fremde Abbildung

Abbildung 3: Entwicklung der Beispielwerte
Quelle: Müller (2025, S. 42).

Handelt es sich um eine selbst erstellte Grafik, kann eine Kennzeichnung wie „Eigene Darstellung“ sinnvoll sein. Wurde die eigene Grafik jedoch auf Basis fremder Daten oder einer fremden Darstellung erstellt, sollte auch diese Grundlage genannt werden.

Beispiel für eine eigene Darstellung auf fremder Grundlage

Abbildung 4: Entwicklung der Beispielwerte
Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage von Müller (2025, S. 42).

Bildquelle aus dem Internet richtig angeben

Bei Bildern aus dem Internet besteht ein häufiger Fehler darin, lediglich die URL unter die Abbildung zu setzen. Damit fehlen unter Umständen wesentliche Informationen zur Urheberschaft, zum Titel und zur Veröffentlichung.

Versuchen Sie deshalb zunächst, die Originalquelle zu ermitteln. Prüfen Sie dort, wer das Bild erstellt oder veröffentlicht hat, welche Bezeichnung verwendet wird und ob Informationen zu einer Lizenz vorhanden sind.

Schematisches Beispiel

Müller, A. (2025): Titel der Abbildung [Abbildung]. Name der Website. URL

Dieses Beispiel zeigt lediglich die benötigten Informationsarten. Zeichensetzung, Reihenfolge, Kursivsetzung und Abrufdatum richten sich nach dem tatsächlich verwendeten Zitierstil.

Bildquellen nach APA, Harvard und anderen Zitierstilen

Es gibt nicht eine einzige Form, mit der sämtliche Bilder in jeder wissenschaftlichen Arbeit zitiert werden. Der verwendete Zitierstil bestimmt, wie die bibliografischen Informationen angeordnet und formatiert werden.

APA

Bei APA hängt die konkrete Darstellung unter anderem davon ab, welche Art von Bild verwendet wird und wo dieses veröffentlicht wurde. Zusätzlich zur Quellenangabe können bei reproduzierten oder adaptierten Abbildungen urheberrechtliche Angaben relevant sein. Deshalb sollte die jeweils aktuelle APA-Vorgabe und vor allem der Leitfaden der eigenen Hochschule geprüft werden.

Harvard

„Harvard“ bezeichnet eine Familie von Autor-Jahr-Systemen und keinen weltweit einheitlichen Standard. Hochschulen können daher unterschiedliche Harvard-Varianten verwenden. Typisch ist ein Kurzbeleg mit Autor und Jahr sowie eine vollständige Angabe im Literaturverzeichnis.

MLA und Chicago

Auch MLA und Chicago verfügen über eigene Konventionen für visuelle Quellen. Welche Angaben benötigt werden, hängt unter anderem davon ab, ob es sich um ein Originalwerk, eine Reproduktion in einem Buch oder ein online veröffentlichtes Bild handelt.

Für Ihre Arbeit entscheidend Wenn Ihre Hochschule einen eigenen Zitierleitfaden vorgibt, sollte dieser gegenüber allgemeinen Beispielen aus dem Internet maßgeblich für die formale Gestaltung Ihrer Arbeit sein.

Creative Commons: Bilder mit Lizenz richtig kennzeichnen

Creative-Commons-Lizenzen ermöglichen es Urhebern, anderen Personen bestimmte Nutzungen ihrer Werke unter festgelegten Bedingungen zu erlauben. Dabei ist entscheidend, welche konkrete CC-Lizenz für das jeweilige Bild gilt.

Creative Commons empfiehlt für die Attribution das sogenannte TASL-Prinzip:

Kürzel Bedeutung Angabe
T Title Titel des Werks, soweit vorhanden
A Author Name des Urhebers bzw. Rechteinhabers
S Source Link zur ursprünglichen Quelle
L License Bezeichnung und Link zur CC-Lizenz
Schematisches CC-Beispiel

„Titel des Bildes“ von Max Mustermann, Quelle: Beispielseite, lizenziert unter CC BY 4.0.

Bei Veränderungen oder Bearbeitungen können weitere Angaben erforderlich sein. Außerdem unterscheiden sich die verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen beispielsweise darin, ob Bearbeitungen oder bestimmte Arten der Nutzung gestattet sind.

Müssen eigene Bilder zitiert werden?

Wenn Sie eine Abbildung vollständig selbst erstellt haben und dabei keine fremden Daten oder Darstellungen übernommen wurden, existiert keine fremde Quelle, die zitiert werden müsste. Je nach Hochschulvorgabe kann eine Kennzeichnung als „Eigene Darstellung“ oder „Eigene Aufnahme“ sinnvoll sein.

Anders sieht es aus, wenn Sie zwar die Grafik selbst erstellt, dafür aber Daten, Konzepte oder eine vorhandene Abbildung als Grundlage verwendet haben. Dann sollte die verwendete Grundlage nachvollziehbar angegeben werden.

Auch ein selbst aufgenommenes Foto kann zusätzliche rechtliche Fragen aufwerfen – beispielsweise wenn darauf geschützte Werke oder Personen zu sehen sind. Die Frage, wer das Foto aufgenommen hat, beantwortet also nicht automatisch sämtliche Fragen zur möglichen Veröffentlichung.

Bildquelle und Abbildungsverzeichnis

Das Abbildungsverzeichnis und die Quellenangabe erfüllen unterschiedliche Funktionen. Ein Abbildungsverzeichnis hilft dabei, die verwendeten Abbildungen innerhalb einer längeren Arbeit schnell zu finden. Es ersetzt jedoch nicht automatisch die erforderlichen Quellennachweise.

Typischerweise enthält ein Abbildungsverzeichnis die Nummer einer Abbildung, ihre Bezeichnung und die entsprechende Seitenzahl. Wie Quellen dort oder direkt unter den Abbildungen dargestellt werden sollen, richtet sich nach den Vorgaben Ihrer Hochschule.

Beispiel Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau des Untersuchungsmodells ........ 12
Abbildung 2: Entwicklung der Stichprobe ............. 27
Abbildung 3: Ergebnisse der Befragung ............... 41

7 häufige Fehler beim Zitieren von Bildern

1. Nur Google als Quelle nennen

Eine Bildersuche ist nicht die ursprüngliche Quelle. Ermitteln Sie nach Möglichkeit die Website oder Publikation, auf der das Bild tatsächlich veröffentlicht wurde.

2. Nur die URL angeben

Eine URL allein enthält häufig nicht alle Informationen, die für einen nachvollziehbaren wissenschaftlichen Nachweis benötigt werden.

3. Quellenangabe mit Nutzungserlaubnis verwechseln

Die Angabe eines Urhebers macht eine ansonsten unzulässige Nutzung nicht automatisch zulässig.

4. Lizenzbedingungen nicht prüfen

Bei lizenziertem Material sollte die konkrete Lizenz geprüft werden. Das gilt insbesondere, wenn eine Abbildung verändert oder in einem anderen Kontext weiterverwendet wird.

5. Eigene Bearbeitungen nicht kennzeichnen

Wenn eine fremde Abbildung verändert oder auf ihrer Grundlage eine neue Darstellung erstellt wurde, sollte nachvollziehbar sein, worauf die neue Version basiert.

6. Abbildungsverzeichnis mit Quellenverzeichnis verwechseln

Dass eine Abbildung im Abbildungsverzeichnis auftaucht, bedeutet nicht automatisch, dass ihre Herkunft vollständig nachgewiesen ist.

7. Hochschulvorgaben ignorieren

Allgemeine Zitierbeispiele sind hilfreich, ersetzen aber keine verbindlichen Vorgaben Ihres Fachbereichs, Lehrstuhls oder Prüfungsamts.

Checkliste: Bildquellen vor der Abgabe prüfen

  • Ist erkennbar, welche Abbildungen von Ihnen und welche aus fremden Quellen stammen?
  • Ist die ursprüngliche Quelle des Bildes bekannt?
  • Ist der Urheber angegeben, soweit erforderlich und verfügbar?
  • Sind Titel, Jahr und Publikationsort bzw. Website korrekt erfasst?
  • Ist die verwendete Zitierweise einheitlich?
  • Wurde die konkrete Lizenz oder Nutzungserlaubnis geprüft?
  • Sind Bearbeitungen fremder Abbildungen gekennzeichnet?
  • Sind eigene Darstellungen auf Basis fremder Daten entsprechend ausgewiesen?
  • Stimmen Abbildungsnummern und Abbildungsverzeichnis überein?
  • Entspricht die Darstellung dem Zitierleitfaden Ihrer Hochschule?

Häufige Fragen zu Bildquellen

Wie gibt man eine Bildquelle richtig an?
Die konkrete Form hängt vom Zitierstil ab. Typischerweise werden Informationen wie Urheber, Jahr, Titel oder Beschreibung, Quelle, URL und gegebenenfalls Lizenz benötigt. Entscheidend sind die Vorgaben des verwendeten Zitierstils und Ihrer Hochschule.
Reicht es, die URL unter ein Bild zu schreiben?
In vielen Fällen nicht. Eine vollständige wissenschaftliche Quellenangabe kann weitere Angaben wie Urheber, Titel und Jahr erfordern. Außerdem sagt eine URL allein nichts darüber aus, ob das Bild verwendet werden darf.
Darf ich jedes Bild verwenden, wenn ich die Quelle angebe?
Nein. Quellenangabe und Nutzungsrecht sind unterschiedliche Fragen. Die Nennung der Quelle schafft nicht automatisch eine Erlaubnis zur Nutzung eines urheberrechtlich geschützten Bildes.
Wie zitiere ich ein Bild aus dem Internet?
Ermitteln Sie möglichst die Originalquelle und erfassen Sie die nach Ihrem Zitierstil erforderlichen Angaben. Dazu können Urheber, Titel, Jahr, Website, URL und gegebenenfalls Lizenzinformationen gehören.
Muss ich eigene Abbildungen zitieren?
Bei vollständig selbst erstellten Abbildungen gibt es keine fremde Quelle. Eine Kennzeichnung als „Eigene Darstellung“ kann je nach Hochschulvorgabe sinnvoll sein. Beruht die Darstellung auf fremden Daten oder Vorlagen, sollte diese Grundlage angegeben werden.
Was bedeutet „Eigene Darstellung nach ...“?
Damit wird kenntlich gemacht, dass die konkrete Darstellung selbst erstellt wurde, aber auf einer fremden Quelle, einem Modell, Daten oder einer vorhandenen Darstellung basiert.
Müssen Creative-Commons-Bilder zitiert werden?
Creative-Commons-Lizenzen verlangen grundsätzlich eine Attribution. Welche weiteren Bedingungen gelten, hängt von der konkreten CC-Lizenz ab. Creative Commons empfiehlt für die Attribution das TASL-Prinzip: Titel, Autor, Quelle und Lizenz.

Fazit: Erst Quelle und Nutzungsrecht prüfen, dann zitieren

Eine korrekte Bildquelle erfüllt mehr als eine formale Funktion. Sie macht sichtbar, woher eine Abbildung stammt, würdigt fremde Urheberschaft und ermöglicht es Leserinnen und Lesern, die Originalquelle nachzuvollziehen.

Dabei sollten wissenschaftliche Zitation und rechtliche Nutzung nicht miteinander verwechselt werden. Ein vollständiger Quellennachweis bedeutet nicht automatisch, dass ein Bild ohne weitere Voraussetzungen verwendet werden darf.

Für wissenschaftliche Arbeiten ist deshalb ein zweistufiges Vorgehen sinnvoll: Prüfen Sie zunächst Herkunft und Nutzungsbedingungen des Bildes. Anschließend formatieren Sie den Quellennachweis nach dem Zitierstil und den Vorgaben Ihrer Hochschule.

Wer diese Schritte konsequent einhält und zusätzlich Abbildungsnummern sowie das Abbildungsverzeichnis kontrolliert, schafft eine nachvollziehbare und einheitliche Grundlage für den Umgang mit visuellen Quellen.

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