Quellen richtig zitieren: Regeln, Beispiele und Zitierweisen
Wann muss eine Quelle angegeben werden? Wie unterscheiden sich direkte und indirekte Zitate? Und wie sehen Quellenangaben bei APA, Harvard, MLA oder der deutschen Zitierweise aus? Hier finden Sie die wichtigsten Grundlagen mit verständlichen Beispielen.
Wissenschaftliches Schreiben bedeutet nicht nur, eigene Gedanken verständlich darzustellen. Ebenso wichtig ist es, nachvollziehbar zu kennzeichnen, welche Aussagen, Erkenntnisse, Daten oder Formulierungen aus anderen Quellen stammen.
Genau dafür gibt es Zitationen. Sie ermöglichen es Lesenden, nachzuvollziehen, auf welche Literatur sich eine Aussage stützt und welche Gedanken aus der vorhandenen Forschung übernommen wurden.
Wie eine Quellenangabe konkret aussieht, hängt allerdings vom verwendeten Zitierstil ab. Deshalb gibt es nicht die eine Schreibweise, die für jede wissenschaftliche Arbeit richtig ist. Entscheidend sind vor allem die Vorgaben Ihrer Hochschule, Ihres Fachbereichs oder der betreuenden Person.
Warum muss man Quellen richtig zitieren?
Quellenangaben erfüllen mehrere Funktionen. Sie machen sichtbar, welche Aussagen auf vorhandener Literatur beruhen, ermöglichen die Überprüfung der verwendeten Quellen und grenzen fremde Inhalte von der eigenen Argumentation ab.
Das ist besonders bei wissenschaftlichen Arbeiten wichtig. Eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit soll zeigen, wie Sie mit bestehender Forschung umgehen, unterschiedliche Positionen einordnen und daraus eine eigene wissenschaftliche Argumentation entwickeln.
Fehlende Quellenangaben können dagegen dazu führen, dass fremde Gedanken oder Formulierungen wie eigene erscheinen. Korrektes Zitieren ist deshalb ein zentraler Bestandteil sauberer wissenschaftlicher Arbeitsweise.
Wann muss eine Quelle angegeben werden?
Eine Quellenangabe ist grundsätzlich erforderlich, wenn Sie Informationen aus einer fremden Quelle übernehmen und diese nicht als allgemein voraussetzbares Wissen behandelt werden können.
- bei wörtlich übernommenen Formulierungen,
- bei sinngemäß übernommenen Gedanken und Argumenten,
- bei Forschungsergebnissen anderer Autorinnen und Autoren,
- bei übernommenen Zahlen, Statistiken und Datensätzen,
- bei Definitionen und theoretischen Konzepten,
- bei übernommenen Abbildungen, Tabellen oder Modellen.
Nicht jeder einzelne Satz benötigt zwangsläufig eine Quelle. Eigene Analysen, eigene Schlussfolgerungen und allgemein bekannte Tatsachen werden anders behandelt. In Zweifelsfällen sollten Sie sich jedoch an den Zitierregeln Ihrer Hochschule orientieren.
Direktes Zitat: fremden Text wörtlich übernehmen
Bei einem direkten Zitat übernehmen Sie eine Formulierung wörtlich aus einer Quelle. Die übernommene Passage muss deshalb eindeutig als Zitat erkennbar sein.
Kurze direkte Zitate werden je nach Regelwerk typischerweise in Anführungszeichen gesetzt. Zusätzlich folgt ein Quellenbeleg nach den Vorgaben des verwendeten Zitierstils.
Muster formuliert: „Dies ist ein beispielhaftes direktes Zitat“ (Muster, 2024, S. 25).
Das Beispiel dient nur zur Veranschaulichung des Aufbaus. Die konkrete Zeichensetzung und Gestaltung kann je nach Zitierstil abweichen.
Wann sind direkte Zitate sinnvoll?
Ein direktes Zitat eignet sich besonders dann, wenn die genaue Formulierung selbst wichtig ist – beispielsweise bei einer Definition, einer prägnanten Aussage oder einer Textpassage, die anschließend analysiert wird.
Direkte Zitate sollten jedoch nicht lediglich dazu dienen, möglichst viel fremden Text in die eigene Arbeit zu übernehmen. Entscheidend ist ihre Funktion innerhalb der eigenen Argumentation.
Indirektes Zitat: Quellen sinngemäß wiedergeben
Bei einem indirekten Zitat übernehmen Sie nicht den Wortlaut, sondern den Gedanken oder die Information aus einer Quelle und geben diese in eigenen Worten wieder.
Gedanke der Quelle:
Flexible Arbeitsmodelle können die wahrgenommene Autonomie von
Beschäftigten beeinflussen.
Sinngemäße Wiedergabe:
Flexible Formen der Arbeitsorganisation können sich auf die von
Beschäftigten wahrgenommenen Handlungsspielräume auswirken
(vgl. Muster, 2024, S. 42).
Wichtig: Auch eine Paraphrase benötigt einen Quellenbeleg. Dass Sie eine Aussage mit eigenen Worten formulieren, macht den zugrunde liegenden Gedanken nicht automatisch zu Ihrem eigenen.
Direktes und indirektes Zitat im Vergleich
| Direktes Zitat | Indirektes Zitat | |
|---|---|---|
| Übernahme | Wortlaut der Quelle | Gedanke in eigenen Worten |
| Kennzeichnung | Als wörtliches Zitat kenntlich machen | Quellenbeleg ohne wörtliche Übernahme |
| Seitenangabe | Bei paginierten Quellen regelmäßig erforderlich | Abhängig von Zitierstil und Hochschulvorgaben |
| Einsatz | z. B. Definition oder besonders relevante Formulierung | Einordnung von Forschung, Argumenten und Erkenntnissen |
Welche Zitierweisen gibt es?
Zitierstile legen fest, wie Quellen im Text und im Literaturverzeichnis dargestellt werden. Zwischen den einzelnen Systemen bestehen teilweise erhebliche Unterschiede.
| Zitierweise | Grundprinzip | Typische Darstellung im Text |
|---|---|---|
| APA | Autor-Jahr-System | Autor und Jahr; bei direkten Zitaten zusätzlich genaue Fundstelle |
| Harvard | Autor-Jahr-Prinzip | Kurzbeleg im Fließtext bzw. in Klammern |
| MLA | Autor-Seiten-Prinzip | häufig Nachname und Seitenzahl |
| Chicago | unterschiedliche Systeme | Autor-Datum oder Anmerkungen/Fußnoten |
| Deutsche Zitierweise | häufig Fußnoten | Quellennachweis in einer Fußnote |
Diese Übersicht zeigt nur die Grundprinzipien. Die Detailregeln unterscheiden sich unter anderem bei mehreren Autorinnen und Autoren, Seitenangaben, wiederholten Belegen und verschiedenen Quellentypen.
Quellen im Text nach APA zitieren
APA arbeitet mit einem Autor-Jahr-System. Der Quellenbeleg wird in den Text integriert, sodass die verwendete Quelle unmittelbar zugeordnet werden kann.
Sinngemäß:
(Muster, 2024)
Narrativ:
Muster (2024) beschreibt …
Direktes Zitat:
(Muster, 2024, S. 25)
Bei der tatsächlichen Arbeit sollten Sie die jeweils gültigen APA-Regeln sowie mögliche Vorgaben Ihrer Hochschule berücksichtigen.
Quellen mit der Harvard-Zitierweise angeben
Auch die Harvard-Zitierweise arbeitet grundsätzlich mit Kurzbelegen im Text. Typischerweise enthalten diese den Nachnamen, das Erscheinungsjahr und – abhängig von Art des Zitats und den verwendeten Richtlinien – eine Seitenangabe.
(Muster 2024, S. 25)
Bei Harvard ist besonders wichtig, die Vorgaben der eigenen Institution zu prüfen. Unter der Bezeichnung „Harvard“ existieren verschiedene Ausgestaltungen des Autor-Jahr-Prinzips.
Quellen mit Fußnoten zitieren
Bei fußnotenbasierten Zitierweisen befindet sich der eigentliche Quellenhinweis nicht als Kurzbeleg in Klammern im Fließtext. Stattdessen wird an der betreffenden Textstelle eine Fußnotenziffer gesetzt.
Eine wissenschaftliche Aussage wird im Fließtext formuliert.¹
Fußnote:
¹ Quellenangabe entsprechend den vorgeschriebenen Zitierregeln.
Wie eine Erstnennung, eine wiederholte Nennung oder ein Kurznachweis aussehen muss, hängt vom verwendeten Regelwerk ab.
Wann muss beim Zitieren eine Seitenzahl angegeben werden?
Bei direkten Zitaten muss die konkrete Fundstelle nachvollziehbar sein. Bei paginierten Quellen gehört deshalb regelmäßig eine Seitenangabe zum Beleg.
Bei indirekten Zitaten hängt die Pflicht zur Seitenangabe vom Zitierstil und den Vorgaben Ihrer Institution ab. Auch wenn ein Regelwerk sie nicht in jedem Fall zwingend verlangt, kann eine präzise Fundstelle für die Nachvollziehbarkeit hilfreich sein.
Bei Quellen ohne klassische Seitenzahlen gelten gegebenenfalls andere Regeln, etwa für Absätze, Kapitel oder andere Lokalisierungsmöglichkeiten.
Wie zitiert man mehrere Autoren?
Die Darstellung mehrerer Autorinnen und Autoren ist vom Zitierstil abhängig. Deshalb sollte man keine allgemeine Regel wie „ab drei Autoren immer et al.“ auf sämtliche Zitierweisen übertragen.
APA, Harvard-Varianten, MLA und andere Systeme legen jeweils eigene Regeln fest, wann alle Namen genannt werden und wann eine verkürzte Form verwendet wird.
Internetquellen richtig zitieren
Auch Informationen von Websites müssen nachvollziehbar belegt werden, wenn Sie sie in einer wissenschaftlichen Arbeit verwenden.
Für die vollständige Quellenangabe können – je nach Zitierstil und verfügbaren Informationen – beispielsweise Autor oder Organisation, Titel, Veröffentlichungsdatum, Website und URL relevant sein. Ob zusätzlich ein Abrufdatum angegeben wird, hängt vom jeweiligen Zitierstil und der Art der Quelle ab.
Eine URL allein ist deshalb normalerweise noch keine vollständige wissenschaftliche Quellenangabe.
Was tun, wenn kein Autor angegeben ist?
Fehlt eine persönliche Autorenschaft, bedeutet das nicht, dass Sie automatisch irgendeinen Namen ergänzen sollten. Je nach Quelle und Zitierstil kann beispielsweise eine Organisation oder eine andere vorgesehene Form der Zuordnung verwendet werden.
Was ist eine DOI?
Bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen begegnet Ihnen häufig eine DOI. Die Abkürzung steht für „Digital Object Identifier“. Sie dient als dauerhafte Kennzeichnung eines digitalen wissenschaftlichen Objekts, beispielsweise eines Fachartikels.
Wenn für eine Quelle eine DOI vorhanden ist, sollte sie entsprechend den Regeln des verwendeten Zitierstils in den vollständigen Literaturbeleg aufgenommen werden.
Quellenbeleg im Text und Literaturverzeichnis
Ein Kurzbeleg im Text und der vollständige Eintrag im Literaturverzeichnis erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Der Beleg im Text zeigt, auf welche Quelle sich eine konkrete Aussage bezieht. Das Literaturverzeichnis liefert die bibliografischen Informationen, die benötigt werden, um die Quelle eindeutig zu identifizieren.
Quelle verwenden
Sie greifen im Text auf eine fremde Aussage oder Information zurück.
Beleg setzen
Die Aussage erhält den zum Zitierstil passenden Quellenhinweis.
Quelle vollständig aufführen
Die verwendete Literatur wird nach den Regeln des Zitierstils bibliografisch angegeben.
Achten Sie bei der abschließenden Kontrolle darauf, dass die Quellenbelege im Text und die zugehörigen Einträge im Literaturverzeichnis zusammenpassen.
Was hat richtiges Zitieren mit Plagiaten zu tun?
Ein wesentliches Ziel wissenschaftlicher Quellenarbeit besteht darin, fremde Inhalte transparent von eigenen Beiträgen zu unterscheiden. Wird eine fremde Formulierung oder ein fremder Gedanke übernommen, ohne die Herkunft angemessen kenntlich zu machen, kann dies als Plagiat problematisch werden.
Dabei genügt es nicht, einen wörtlich übernommenen Satz nur irgendwo im Literaturverzeichnis aufzuführen. Die konkrete Übernahme muss an der betreffenden Stelle im Text nachvollziehbar gekennzeichnet sein.
Ebenso wichtig ist die richtige Paraphrase. Eine Formulierung, bei der lediglich einige Wörter des Originals ausgetauscht werden, kann trotz Quellenangabe wissenschaftlich problematisch sein. Fremde Gedanken sollten wirklich eigenständig verarbeitet und sprachlich neu dargestellt werden.
8 häufige Fehler beim Zitieren
1. Paraphrasen ohne Quelle
Auch sinngemäß übernommene Gedanken benötigen einen Quellenbeleg.
2. Direkte Zitate nicht kennzeichnen
Wörtliche Übernahmen müssen entsprechend den Regeln des verwendeten Zitierstils eindeutig als solche erkennbar sein.
3. Verschiedene Zitierstile mischen
Ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Systemen führt schnell zu inkonsistenten Quellenangaben.
4. Fehlende Fundstellen
Bei direkten Zitaten aus paginierten Quellen sollte die genaue Fundstelle angegeben werden.
5. Nur die URL angeben
Bei einer Internetquelle sind häufig weitere bibliografische Angaben erforderlich.
6. Sekundärquelle wie Originalquelle behandeln
Wenn Sie eine Aussage nicht im Original gelesen haben, sollten Sie nicht den Eindruck erwecken, Sie hätten unmittelbar mit der Originalquelle gearbeitet. Prüfen Sie die Regeln für Sekundärzitate und versuchen Sie, wichtige Originalquellen nach Möglichkeit selbst einzusehen.
7. Literaturverzeichnis und Textbelege stimmen nicht überein
Kontrollieren Sie, ob die im Text verwendeten Quellen entsprechend den Vorgaben auch im Literaturverzeichnis korrekt erfasst sind.
8. Hochschulvorgaben ignorieren
Eine formal korrekte APA-Angabe hilft wenig, wenn für Ihre Arbeit eine andere Zitierweise verbindlich vorgeschrieben wurde.
Zitationssoftware: Citavi, Zotero & Co.
Literaturverwaltungsprogramme können die Organisation umfangreicher Quellensammlungen deutlich erleichtern. Quellen lassen sich speichern, ordnen und in vielen Fällen über passende Erweiterungen in Textverarbeitungsprogramme einfügen.
Zitationssoftware nimmt Ihnen jedoch nicht die inhaltliche Kontrolle ab. Importierte Metadaten können unvollständig oder fehlerhaft sein, und auch ein automatisch erzeugter Literaturbeleg sollte vor der Abgabe kontrolliert werden.
Checkliste: Quellen richtig zitieren
- Der vorgeschriebene Zitierstil ist geklärt.
- Direkte Zitate sind eindeutig gekennzeichnet.
- Wörtliche Zitate wurden mit der erforderlichen Fundstelle versehen.
- Paraphrasen enthalten einen passenden Quellenbeleg.
- Fremde Gedanken wurden tatsächlich in eigenen Worten wiedergegeben.
- Quellenangaben sind im gesamten Dokument einheitlich.
- Mehrere Autoren werden nach den Regeln des verwendeten Stils behandelt.
- Internetquellen enthalten die erforderlichen bibliografischen Angaben.
- DOIs wurden berücksichtigt, sofern vorhanden und erforderlich.
- Textbelege und Literaturverzeichnis passen zusammen.
- Automatisch importierte Literaturangaben wurden kontrolliert.
- Die formalen Vorgaben der Hochschule wurden geprüft.
Häufige Fragen zum richtigen Zitieren
Wann muss ich eine Quelle zitieren?
Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Zitat?
Muss eine Paraphrase zitiert werden?
Muss bei jedem Zitat eine Seitenzahl angegeben werden?
Ist Harvard dasselbe wie APA?
Kann ich Wikipedia als Quelle verwenden?
Muss jede Internetquelle ein Abrufdatum enthalten?
Welcher Zitierstil ist für eine Bachelorarbeit richtig?
Fazit: Richtig zitieren heißt vor allem nachvollziehbar und konsistent arbeiten
Korrektes Zitieren beginnt mit einer einfachen Frage: Welche Information stammt aus einer fremden Quelle und wie mache ich diese Herkunft für die Lesenden nachvollziehbar?
Direkte Zitate müssen als wörtliche Übernahmen erkennbar sein, während indirekte Zitate fremde Gedanken in eigenen Worten wiedergeben. In beiden Fällen ist ein geeigneter Quellenbeleg notwendig.
Ob dieser Beleg nach APA, Harvard, MLA, Chicago oder über Fußnoten gestaltet wird, hängt vom vorgeschriebenen Zitierstil ab. Deshalb sollten Sie zunächst die Vorgaben Ihrer Hochschule prüfen und den gewählten Stil anschließend konsequent durch die gesamte Arbeit anwenden.
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